Fleischverzehr im Alten Testament Sonntag, März 30, 2008
Posted by JNj. in Tagesmenü.Tags: Altes Testament, Fleischverzehr, Judentum, Ketarier, Religion, Vegetarier
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Wie im Artikel “Vegetarismus eine intolerante Religion” angekündigt, möchte ich heute zuerst einmal untersuchen, was das Alte Testament über das Essen von Fleisch sagt. Wenn man nur den Genesis-Bericht liest, könnte man auf den Gedanken kommen, dass dem Menschen von Gott grundsätzlich vegetarische Nahrung “verordnet” wurde:
1. Mose/Genesis 2,16: “Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens …”
Aber dieser Zustand bleibt nur für die Zeit der ersten Menschen im Paradies so. Schon in 1 Mose/Genesis 4 wird uns davon berichtet, dass die Söhne Adams und Evas jeweils ein Opfer brachten. Einer brachte ein Opfer von den Früchten des Feldes, der andere brachte als Opfer ein Tier seiner Herde, wobei klar ist, dass das Tier zur Opferung geschlachtet werden musste. Es ist interessant festzustellen, dass Gott das Opfer der Früchte nicht annimmt, das Opfer des Tieres hingegen sehr wohl. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass Gott selbst zuvor ein Tier getötet hatte. Denn kurz bevor Adam und Eva aus dem Paradies ausgewiesen werden, werden sie von Gott mit Kleidungsstücken aus – Fell ! – bekleidet. Wo aber Fell zu Kleidungsstücken verarbeitet wird, muss vorher ein Tier sein Leben lassen.
Nach der Flut wird dem Menschen dann von Gott ganz “offiziell” das essen von Fleisch erlaubt, allerdings mit der Einschränkung, dass das Blut nicht mit gegessen werden darf:
1. Mose/Genesis 9, 3 – 4: “Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen; wie das grüne Kraut habe ich es euch alles gegeben. Nur esset das Fleisch nicht, während seine Seele, sein Blut, noch in ihm ist!”
Außerdem war der Verzehr des Fleisches einiger Tiere verboten, die als kultisch unrein galten. Dieser Erlaubnis aus 1. Mose/Genesis 9, 3 – 4 folgend finden wir im Alten Testament eine große Anzahl von Bibelstellen, die das Essen von Fleisch (neben Obst, Gemüse etc.) als normale Ernährungsweise belegen. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Passahfest (beim Auszug der Israeliten aus Ägypten) wurde sogar das essen des Passahlammes, also eines Tieres, geboten:
2. Mose/Exodus 12,8: “Und sollen also in derselben Nacht das Fleisch essen, am Feuer gebraten, mit ungesäuertem Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen.” (vgl. auch 2. Mose/Exodus 12, 46).
Auch während der Wüstenwanderung der Israeliten wurde Fleisch gegessen:
2. Mose/Exodus 16,8: “Weiter sprach Mose: Der HERR wird euch am Abend Fleisch zu essen geben und am Morgen Brot die Fülle …”
Nachdem die Israeliten in das verheißene land gekommen waren, wurde auch dort Fleisch gegessen:
1. Könige 19,21: “Denn was habe ich dir getan? Da wandte er sich von ihm und nahm ein Joch Rinder und opferte sie und kochte das Fleisch mit dem Geschirr der Rinder und gab es dem Volk, daß sie aßen; dann machte er sich auf und folgte Elia nach und diente ihm.”
Der gesamte israelitische Opferkult beinhaltete das Schlachten und Opfern von Tieren. Teile des Fleisches dieser Tiere wurden den Priestern gegeben, die diese zu ihrer Ernährung gebrauchten, siehe z.B.:
2. Mose/Exodus 29,31: “Du sollst aber den Widder der Einweihung nehmen und sein Fleisch an einem heiligen Orte kochen.”
3. Mose/Levitikus 7,15: “Es soll aber das Fleisch des Lob- und Dankopfers am Tage seiner Darbringung gegessen werden; man darf nichts davon übriglassen bis zum Morgen.”
Dies sind nur einige Beispiele aus einer Vielzahl von biblischen Belegstellen, die verdeutlichen, dass das Essen von Fleisch im Alten Testament nicht verboten oder geächtet war, sondern ganz klar erlaubt und in einigen Fällen sogar geboten wurde.
(Alle Bibelzitate nach der Übersetzung von Franz E. Schlachter, Ausgabe 1951, Haus der Bibel Genf)




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